Probelaufen

von Algeth E. Weerts

Aber natürlich geht es weiter!

Das Knie erholt sich erstaunlich schnell. Das war wohl meine innere große Überzeugung, dass ich pilgern will! Außerdem ist das Knie eben doch nicht gebrochen. Es ist ’nur‘ ein Anriss einer der kleineren Haltesehnen. Dafür gibt es nicht mal Physiotherapie, das muss so heilen! Tut es auch.

htpps://de.wikipedia.org/wiki/Kniegelenk

Meine vielen größeren und kleineren Probeläufe haben viele Erkenntnisse gebracht.

Doch noch war die Wahl nicht gefallen, welche Weg es für das Pilgern in Portugal genau werden sollte. Portugal ist ein kleines Land, aber zu Fuß wäre da ja trotzdem einiges zu bewältigen.

Vereinbart wird ein Treffen. Vier Frauen, zwei davon sind schon den Küstenweg in Portugal gegangen – als von Porto nach Santiago. Wir reden über Bedürfnisse und Ideen, über Erfahrungen. Mich bringt das noch zu keinem letztendlichen Entschluß, aber ich bin mir jetzt sicher: in diesem Jahr will ich noch nicht nach Santiago de Compostela. Santiago ist für mich so etwas, wie zum Ende der Pilgerwanderungen zu kommen, ein Abschluß. Doch da stehen bei mir vorher noch so viele schöne Pilgerwege offen, die erfahren werden wollen!

Doch pilgern ist pilgern! Und es soll jetzt wirklich losgepilgert werden. Bremen – Köln habe ich ausgesucht, ein Teil der Via Baltica, die von Rostock aus beginnt. Der outdoor Wanderführer vom Conrad Stein Verlag ist ja schon lange im Haus. Bremen liegt mir sozusagen vor der Haustür – ein guter Startpunkt. Da geht auch nur eine oder zwei, drei Etappen zu laufen, um zwischen allen anderen Terminen den Pilgerweg zu gehen.

Karte aus „Jakobsweg Bremen – Köln“ outdoor-Verlag
Foto: Algeth Weerts

Der Pilgerführer für den Weg Bremen – Köln kommt zum Einsatz für die erste Etappe von Bremen bis Barrien. Ich wähle den Pfingstmontag 10. Juni. Und das werde ich mit Freundin Gise gehen.

Vernichtungsschläge

von A. Weerts

Ich bin beim konkreten Erspüren von Wanderbedingungen. Sozusagen die mentale Einstimmung auf eine Wanderschaft. Ende Februar gibt es warme, sonnige Tage. Und für mich wird jeder langen ‚Spaziergang‘ ein Versuchsfeld. Jeden Weg nutze nutze ich zum Überlegen, zum Verinnerlichen, welche Dinge auf einem längeren Weg wichtig sind.

Zum Beispiel, dass es mir ab 18 schon zu warm wird beim Gehen. Das gibt die Frage: lieber Himmel, wie soll das sein in Portugal? Ich habe erfahren, wie warm es dort auch im späten Herbst noch ist.

26. Oktober , Algarve Foto: A. Weerts

Bei Wärme transpiriert der Körper. Ist dazu ein wenig Wind, ver-kühlt sich Unbedecktes. Ein Halstuch hilft dem Nacken, dass die darauf folgende Kälte nicht in die „Windpunkte“ zieht.

Das habe ich im Qigong gelernt, dass am Hinterkopf, da wo der Schädelknochen ansetzt, sich die Windpunkte befinden – und die sollten gut geschützt sein (sonst zieht die Kälte in den Körper).

Beim Erzählen über meine neue Liebe zur Pilgerschaft ergeben sich immer wieder die Auseinandersetzung mit dem Thema. Beschäftigt sich ein Mensch erst einmal mit einer Thematik, drängt sie sich sogleich immer und überall auf.

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Ipomoea

von Maria Gravert

Die Sommerferien in Portugal sind zu Ende. An den Stränden und in den Badeorten wird es langsam ruhiger, aber die Sonne strahlt nach wie vor von morgens bis abends vom Himmel und trocknet das ausgedörrte Land weiter aus – sofern das überhaupt noch möglich ist.

Die Landschaft brütet braun in der Sonne und für einen passionierten Botaniker ist es kaum möglich, außerhalb gepflegter Gärten noch etwas Blühendes zu finden.

Ich entschließe mich deshalb, in den Barrocal* zu fahren und mich dort unter den Pflanzen und Bäumen umzusehen, die nicht auf direkte Bewässerung angewiesen sind.

große Trockenheit. Und doch blüht hier „Ipomoea“

Kaum habe ich aber unser Dorf in Fahrtrichtung Norden verlassen, erstreckt sich plötzlich am Straßenrand neben mir ein strahlend blau leuchtender Blumenteppich – in all dieser Trockenheit sind Prunkwinden voll erblüht und trotzen der Hitze.

Prunkwinden (auch als Prachtwinden bekannt , der wissenschaftliche Name ist „Ipomoea“) sind eine sehr artenreiche Gattung , die als Kletterpflanzen oder auch am Boden liegend auftreten können. Auch die Blattformen können sehr unterschiedlich sein.

… ein blauer Teppich

Bei dieser Art, die mich hier so erfreut, dürfte es sich um die Ipomoea indica handeln. Die Blüten sind hier überwiegend leuchtend blau, gelegentlich aber auch rötlich oder rosa bis purpurfarbig. Gartenfreunde können die Pflanze auch bei uns als winterharte Sorten erhalten.

Und dies sei noch für Hobbyköche und Feinschmecker erwähnt: die wirtschaftlich wichtigste der zahlreichen Windengewächse ist die Süßkartoffel Ipomoea batatas . In Aljezur an der Costa Vicentina findet jedes Jahr im November ein mehrtägiges Süßkartoffelfest zu Ehren dieser Pflanze statt.

*Barrocal wird der Landstrich zwischen der Küstenregion (Litoral) und dem dahinterliegenden Gebirge (Serra) genannt.