Literatur, Kunst, Geschichte

Ein Blick in die Geschichte

Portugal und Brasilien vor 200 Jahren

Am 4. April 1819  wurde  in Río de Janeiro Maria, die später als Maria II. auf den portugiesischen Königsthron gelangte, geboren. Sie ging aus dem Ehe zwischen dem portugiesischen Kronprinzen Pedro, der nach der Unabhängigkeit Brasiliens als Kaiser Pedro I. herrschte, und María Leopoldina von Österreich hervor. Der portugiesische Königshof hatte sich auf der Flucht vor Napoleon 1808 nach Brasilien begeben und regierte das lusitanische Weltreich bis 1822 von dort aus.

Portugal vor100 Jahren

Am  19. Januar 1919 brach eine von Militärs geleiteter Aufstand  mit Schwerpunkt in Porto, der einen weiteren  Teil Nordportugals erfasste,  aus. Das Ziel war die Wiedereinführung der 1910 gestürzten Monarchie. Die Rebellion brach nach knapp einem Monat zusammen.

Aus der lusophonen Kulturszene

Die bekannte FadosängerinCarminho kehrt nach einem Ausflug in die Welt ider Musik von Carlos Antônio Jobim, mit der sie auch 2017 in Deutschland gastiert hatte, zum Fado zurück. Wie man in „CulturaÍpsilon“ am 29. November 2018 lesen konnte, hat sie inzwischen eine neue Platte unter dem Titel „Maria „, welche auch Kompositonen von ihr selbst enthält, herausgegeben. 

Auf der alljährlichen  in Guadalajara/Mexiko abgehaltenen  größten Buchmesse Lateinamerikas, die vom 24.November bis zum 2. Dezember 2018 stattfand,war Portugal dieses Mal Ehrengast. Wie  „CulturaÍpsilon“ unter dem 2. Dezember 2018 berichtet wurde in diesem Rahmen auch eine kritische Debatte, an der die Schriftstellerinnen Lídia Jorge, Isabel Figueiredo und DulceMaría Cardoso teilnahmen, über die portugiesische Kolonialpolitik in Afrika abgehalten. Alle drei Autoinnen haben ihre afrikanischen Erfahrungen auch in ihrem Werk verarbeitet.

Wie die genannte Publikation am 7. Dezember berichtet, hat die Brasilianerin Marília Garcia mit ihrem Gedichtband „CâmeraLenta“(Zeitlupe) den 1. Preis des alljährlich vergebenen PrêmioOceanos gewonnen.Weitere Preisträger warendie  Portugiesen Bruno Vieira Amaral und Luis de Quintais sowie den Mosambikaner Luis Carlos Paraquim. Die Verleihung des  von der brasilianischen  Stiftung „ CulturaItau“  verliehenen Preises fand dieses Jahr erstmals in Portugal und zwar im Ajuda-Palast zu Lissabon im Beisein des portugiesischen Staatspräsidenten statt.

Am 3. Januar 2019 wurde von „Ìpsilon“ gemeldet, dass aus dem Kloster von Odivelas, in dem König Dinis, der von 1279 bis 1325 Portugal regierte, seine letzte Ruhe fand, Ende des vergangenen Jahres 170 wertvolle bemalte Kacheln (Azulejos) gestohlenwurden.

Am 7. Januar 2019 wurde in einem Artikel von „Ipsilon“ darauf aufmerksam gemacht, dass in dem Bildband „The World’s Most Famous Libraries“ mit Fotografien des Italieners Massimo Listri  auch drei Bibliotheken aus dem portugiesischen Sprachbereich präsentiert werden. Es handelt sich um die in der Universität Coimbra befindliche BibliotecaJoanina, die des Palastes von Mafra und die des Real Gabinete de Leitura in Río de Janeiro

Eine Ausstellung im Ajuda-Palast, die noch bis zum 29. März 2019 geöffnet ist, widmet sich mit vielen interessanten Exponaten den vor etwa 500 Jahren begonnen Beziehungen zwischen Japan und Portugal.

Brasilianische Literaturgeschichte II

Von der Unabhängigkeit des Landes bis zum Modernismus (1922)

Nach  1822,  dem Jahr der Unabhängigkeit, wächst in Brasilien das Nationalgefühl, ist man auf der Suche nach der Vergangenheit und rühmt die Natur des Vaterlands. Bis 1836 herrscht noch der in dem Kapitel über die Literatur der Kolonialzeit erwähnte  „Arcadismo“ vorBis 1889 war Brasilien ein Kaiserreich und durchlebte in dieser Periode  häufige politische Wirren. In dieser Zeit kommt in der Literatur die Romantik(1836-1881)auf ,die man in 3 Phasen oder Generationen einteilen kann: Romantik kann, deren  erste die nationalistische ist; sie wird  auch die „indiainistische Generation“ genannt, da der Indianer als nationaler Held eine gewichtige Rolle spielt. Die Hauptautoren dieser Epoche sind Gonçalves de Magalhaes, Gonçalves Dias , Araújo Porto und besonders erwähnenswert José de Alencar, der ein umfangreiches Werk hinterließ, woraus der mehrmals  verfilmte Roman „Iracema“ der Hervorhebung  bedarf. Die zweite Phase ist die des „mal do século“, des Übels des Jahrhunderts.Diese ist von Egozentrismus, der Bohemie, des Pessimismus, des Zweifels und der dauernden Langeweile durchdrungen. Sie zeigt sich in der Idealisierung der Kindheit, erträumten Jungfrauen und der Überhöhung des Todes. Die hauptsächlichen Poeten dieser Phase waren Álvares de Azevedo, Casimiro de Abreu  mit seinem berühmten Gedicht „MeusOitoAnos“, Junqueira Freire und Fagundes Varela. Als Autor hauptsächlich  von Prosa sollte man Bernardo Guimaraesnennen, der sich sich in seinen Romanen regionalen  Themen widmete. Sein bekanntestes Werk ist „Die Sklavin Isaura“ stellt er, der für dieBeseitigung  der Sklaverei eintrat, das Leben und Schicksal einen Sklavin in denMittelpunkt der Handlung. Die dritte Generation setzt etwa 1870 und dauert bis etwa 1881. Es ist ein Zeitabschnitt in dem Paraguay-Krieg (auch Krieg der Dreierallianz genannt) endet und die republikanische Bewegung an Kraft gewinnt. Es sind auch die Jahre, in denen die philosophische Richtung des Positivismus immer dominierender wird. Einer der größten Vertreter dieser Phase der Romantik war der bereits mit im Alter von 24 Jahren verstorbene Castro Alves Charakteristika seines Werkes sind seine intensive Liebeslyrik und sein leidenschaftliches Eintreten für staatsbürgerliche Gesinnung und Humanität verbunden mit einem starken Plädoyer für eine Abschaffung der Sklaverei. Von dieser Geisteshaltung zeugt u.a. sein Gedicht „O NavioNegreiro“ (Das Sklavenschiff) Als Verfasser von Prosawerken wäre Alfrede Visconde de Taunay zu nennen, der sich mit seiner historischen Erzählung „A Retirada da Laguna° (Der Rückzug von der Lagune) hohes literarisches Ansehen  erwarb.

Die darauffolgende Periode war die des Realismus (1881-1902)  In den 1880er Jahren gab es viel Unruhe im Militär und die Rufe nach Freilassung der Sklaven i wurden immer lauter; desgleichen wurde die republikanische Bewegung immer mächtiger.Eine Spielart des Realismus war der stark von Frankreich beeinflusste „parnasianismo“, der sich stark an die klassische Antike anlehnt, die Versregeln werden streng beachtet und die meisten Gedichte werden in Form eines Sonetts verfasst. Die Themen sind oft der Geschichte entnommen. Die Autoren dieser literarischen Richtung halten sich an das Prinzip des „l*artpourl’art“ . Die Triade  des „panasianismo „wird von Alberto de Oliveira, Raimundo Correia und OlavoBilac gebildet. Von letzterem ist besonders seine Hymne auf die portugiesische  Sprache, „LinguaPortuguesa“, bekannt. Unter den Autoren von Prosa sei Artur Azevedo mit seinen Erzählungen erwähnt. Ein der größten Repräsentanten des Realismus war zweifellos der stark vom Pessimismus Schopenhauers beeinflusste  Autodidakt Machado de Assis. der neben seiner Poesie sich vor allem mit seinem Prosawerk bis heute einen Fixpunkt in der brasilianischen Literatur bildet. Herausgegriffen unter seinen Werken seien „Helena“  und der autobiographische Roman „Memorial de Aires“  Machado de Assis gründete im Dezember 1896 die Brasilianische Akadamie der Literatur (AcademiaBrasileira de Letras). Euclides da Cunha hat sich einen dauerhaften Platz in der brasilianischen Literaturgeschichte mit seinem Werk „Os Sertões“ , in welchem er mit intensiven Realismus die Landschaft und die Menschen des brasilianischen Nordostens porträtiert, gesichert

Eine weitere literarische Gattung, die Ende des 19. Jahrhunderts aufkam,  war der Symbolismus (1895-1922), der sich mit der letzten Phase des Realismus überschnitt  und sich zeitlich auch über die Belle Époque erstreckte. Die Initialzündung dazu gab der Sohn afrikanischer Sklaven Cruz e Sousa mit seinem Gedichtbuch „Broquéis“. Der Symbolismus hatte seinen Ursprung im Süden Brasiliens, wo es eine große Unzufriedenheit mit der nach dem Sturz der Monarchie geschaffenen Republik gab. Als Vertreter der Prosa sei Duque Gonzaga, der mit „MocidadeMorta“ (Tote Jugend) einen vielbeachteten Roman schrieb.

Die letzte Epoche bis zum Beginn des brasilianischen Modernismus war die Belle Èpoque (1902-1922), die auch pre-modernismo genannt wird. Dieser Zeitabschnitt wird durch eine starke Einwanderung, industrielle Entwicklung und den 1. Weltkrieg, in den Brasilien in der Endphase auch militärisch eingriff. gekennzeichnet. Obwohl man bei der Belle Époque nicht von einer literarischen Schule sprechen kann, so gibt es doch einige Gemeinsamkeiten zwischen den herausragenden Autoren dieser Jahre, den ihre Werke waren innovativ, klagten die brasilianische Wirklichkeit an und schilderten dabei das Leben der einfachen Leute in den verschiedenen  Regionen und näherten so die Literatur der Realität  des Landes an. José BentoLobato Monteiro erzielte mit seinen Erzählbänden „Urupés“, „A CidadeMorta“ (Die tote Stadt) und „Negrinha“ (die kleine Negerin) einen großen Erfolgbeim Publikum und widmete sich auch der Kind- und Jugendliteratur. Ein anderer Vertreter dieser Zeit ist Afonso Henriques de Lima Barreto, der in seinen Werken die Gesellschaft teilweise auf eine satirische Weise kritisch schildert. Zu seinen besten Werken zählt „Histórias e Sonhos“ (Geschichten und Träume) Schließlich sei schließlich noch José Pereira de GraçaAranhaerwähnt ,we,r in seinem besten Roman    „Canaá“ (Kanaa), die Anpassung eines deutschen Zuwanderers an die brasilianischen Verhältnisse in den Mittelpunkt stellt.

Quellen: Massud Moisés, Hist´ria da LiteraturaBrasileira, Bände i und II, Sao Paulo, 2001 

DomingosPaschoalCegalla, NovíssimaAntologia Da Língua Portuguesa, 2. Ausgabe,  Rio de        

                 Janeiro.

    Internet: História da LiteraturaBrasileira – Cola da Web

Die Geschichte der brasilianischen Literatur

Teil 1 . Die Kolonialzeit

Die brasilianische Literatur muss man in  großen Zügen in  zwei Epochen unterteilen: in die koloniale und die nationale Epoche (seit der Unabhängigkeit)

Das erste literarische Dokument, welches aus Brasilien kam, war der Bericht an König Manuel I. , verfasst von Pero  Vaz de Caminha, des Schreibers des Flottenkommandanten Pedro Álvares Cabral, des Entdeckers Brasiliens im April 1500. Vaz de Caminha schildert darin die Indianer sowie  verschiedene Aspekte  der brasilianischen Natur. Schriften von anderen Besuchern Brasiliens, die hauptsächlich in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts in ähnlicher Weise Land und Leute beschreiben, kann man als Reiseliteratur bezeichnen; sie ist rein deskriptiv und ohne größeren literarischen Wert im eigentlichen Sinne.Andererseits nahm in diesem Zeitabschnitt auch die literarische Betätigung der nach Brasilien gekommenen Jesuiten Gestalt an. Außer religiösen Gedichten schrieben sie in pädagogischer Absichtdie auf Bibeltexten basierende Theaterstücke. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang der Pater José Anchieta (1534-1597), der ein reichhaltiges Werk, bestehend aus Gedichten und verschiedenen religiösen Schauspielen im Stile von Gil Vicente,  hinterließ. Des Weiteren verfasste er eine Grammatik der Sprache der Volksgruppe derTupi-Guarani.

Im Jahr 1601 veröffentlichte Bento Teixeira (1561?-1618?) sein episches Gedicht „Prosopopeia“ , welches als erstes Zeugnis des Barock in Brasilien betrachtet wird. In ihm werden Episoden aus dem Leben einer mächtigen Familie im Nordosten Brasiliens geschildert. Einer der wichtigsten Vertreter der Literatur des 17. Jahrhunderts in Brasilien ist Gregório de Matos (1633-1696). Er  war Lyriker, aber schrieb auch satirischer Werke, die ihm den Beinamen „Höllenschlund“ und die Verbannung nach Mosambik einbrachten.

Der Jesuit Padre António Vieira (1633-1697) war ein berühmter Prediger und u.a. Beichtvater von Cristina von Schweden. Seine Werk besteht aus 3 Teilen: Prophezeiungen(3), Briefe(500) und Predigten (200). Da er die getauften Juden verteidigte, wurde er von der Inquisition  zwei Jahre  ins Gefängnis geworfen. Er verfeindete sich aber auch mit den Großgrundbesitzern, da er sich für die Indianer einsetzte.

1768 begann die Ära des „Arcadismo“. Zu dieser Zeit wurde die kurzlebige literarische Gesellschaft „ArcádiaUltramarina“ gegründet und auch die „Obras “  von Cláudio Manuel da Costa (1728-1789). publiziert. Er verfasste neben weiteren Dichtungen auch ein Theaterstück und rief  eine  literarische Akademie ins Leben. 1789 nahm er  an einer unter dem Namen „InconfidênciaMineira“ in die Geschichte eingegangenen Verschwörung gegen die portugiesische Kolonialmacht teil und starb im Gefängnis. Befreundet war er mit Tomás Antônio Gonzaga, dessen Liebeslyrik zu dem Besten zählt, was in portugiesischer Sprach auf diesem Gebiet geschrieben wurde. Erwähnenswert sind auch seine „CartasChilenas (Chilenische Briefe)“, die sich in Versform satirischmit dem Gouverneur von Minas Gerais auseinandersetzen. Er nahm ebenfalls an der „Inconfidência Mineira“ teil, wurde in die Verbannung nach Mosambik geschickt, wo er auch starb.Einige Charakteristika des „Arcadismo“ sind die Einfachheit des Stils  und Lob des einfachen Lebens, Hinwendung zu den Mustern der Antike und der Renaissance, Kritik am Leben in den urbanen Zentren und Verwendung von Pseudonymen.

Quellen:
Domingos Paschoal Cegalla. Novíssima Antologia da Língua Portuguesa (zweite Ausgabe)
Internet: História da Literatura Brasileira – Cola da Web

Wikipedia – História da Literatura Brasileira

Ehrung für Lobo Antunes

Wie die Kulturbeilage „Ípsilon“ der obengenannten Zeitung 13.9.2018 berichtete, wird dasWerk  von AntónioLobo Antunes in die hohes Prestige genießende Sammlung der französischen Bibliothek „La Pléiade“  aufgenommen. Nach Fernando Pessoa kommt ihm als zweiten portugiesischen Autor diese Ehre zu. In einem Interview sagte Lobo Antunes, dass ihm dies mehr bedeute als die Verleihung des Nobelpreises.

Brand im Nationalmuseum

Nicht nur Brasilien, sondern das gesamte Weltkulturerbe erlitt am 2. September 2018 beim Brand des Nationalmuseums in Rio deJaneiroeinen unersetzlichen Verlust.  Wie die Brasilien-Beilage der portugiesischen Zeitung „Público“ am 23.09.2018 berichtete, ist das Unternehmen Concrejato Engenharia, welches sich auf die Restaurierung des architektonischen und geschichtlichen Erbes spezialisiert hat, mit der Wiedererrichtung des Museums beauftragt worden. Es handelt sich um ein hochkomplexes Vorhaben, dessen Vollendung nach Schätzungen  der UNESCO bis zu 10 Jahre dauern kann.  „Público“ meldete auch, dass der Wiederaufbau des Museums für portugiesische Sprache in São Paulo, welches 2015 ebenfalls von einem Brand betroffen wurde, zügig vorangeht und diese wichtige kulturelle Einrichtung voraussichtlich im 2. Halbjahr 2019 wiedereröffnet wird.

 

Aus der brasilianischen Geschichte – 1.Weltkrieg

In diesem Jahr gedenken wir des Endes des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren Daher möchten wir einen Blick auf die Rolle  werfen, die Brasilien in diesem Weltkonflikt spielte. Als der Krieg ausbrach, erklärte Brasilien seine Neutralität nach den Regeln der Haager Konvention und hatte dabei das Ziel, die für die außenwirtschaftliche Bilanz unverzichtbare Ausfuhr von Kaffee unbeschränkt fortzuführen. Deutschland war zu dieser Zeit der größte Außenhandelspartner des Landes, gefolgt von dem Vereinigten Königreich und Frankreich.  Aber trotz dieses Bemühens kam es zu Einbußen bei diesem Exportgut, da viele Staaten seinen Konsum beschränkten, weil er nicht als lebenswichtig betrachtet wurde. Der internationale Handel litt unter den vielfältigen Behinderungen durch den Krieg;  auch der der neutralen Staaten. Der Kaffee-Export ging in den beiden ersten Kriegsjahren um ein Drittel zurück. Dass Deutschland eine Seeblockade gegen Großbritannien verhängt hatte, verschärfte das Problem ; 1917 verbot Großbritannien jeglichen  Import von Kaffee, weil die Versenkung britischer Schiff durch deutsche U-Boote zu einer Verknappung des Schiffsraums für lebenswichtigere Produkte geführt hatte. Die Beziehungen zwischen Brasilien und Deutschland,  die einst ausgesprochen herzlich gewesen waren, verschlechterten sich aber  im Laufe der Kriegsjahre zusehends. Unter Politikern und Intellektuellen des Landes bildeten sich drei Einstellungen heraus:  die den Alliierten zugeneigte, die neutrale und die germanophile. Die Besetzung des neutralen Belgien durch Deutschland  führte zu einer Entschließung im brasilianischen Parlament, in welcher das deutsche Vorgehen verurteilt wurde. Große Verstimmung riefen die Angriffe deutsche U-Boote und Torpedoboote auch auf brasilianische Schiffe hervor. Ende 1916 nahm Deutschland den totalen U-Boot-Krieg, den es eine Weile unterbrochen hatte, wieder auf und bereits im Mai dieses Jahres hatte  ein deutsches U-Boot die „Rio Branco“, die die brasilianische Flagge führte, aber sich im britischen Besitz befand und eine norwegische Besatzung hatte, versenkt, was von Großbritannien genutzt wurde, antideutsche Gefühle in Brasilien anzustacheln. Gravierende Folgen hatte die Versenkung des Schiffes „Paraná“, welches am 5. April 1917  unweit der französischen  Küste ebenfalls von einem deutschen U-Boot  versenkt wurde. Dies führte zu Massendemonstrationen in mehreren Bundesstaaten  und der  deutschstämmige  Außenminister Lauro Müller, der für die Bewahrung der Neutralität eingetreten war, musste zurücktreten. Am 11. April brach Brasilien die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland und Österreich-Ungarn ab und am 20. Mai wurde die „Tijuco“ von einem deutschen U-Boot mit einem Torpedo beschossene. Im Laufe der nächsten Monate wurden weitere brasilianische Schiffe schwer beschädigt oder versenkt. Andererseits wurden 42 deutsche Schiffe, die sich in brasilianischen Häfen bzw. Hoheitsgewässern befanden, als potentielle Kriegsentschädigung beschlagnahmt. Eine antideutsche Welle setzte ein. In Porto Alegre wurden im Besitz von Deutschen befindliche Unternehmen und Einrichtungen angegriffen. Am 26.Oktober 1917 erklärte Brasilien Deutschland und Österreich-Ungarn den Krieg. Am 1. November kam es  in Petrópolis (Bundesstaat Rio de Janeiro) zu ähnlichen Handlungen wie im April in Porto Alegre.  Kleinere Vorfälle dieser Natur wurden in  anderen Regionen registriert. Auf der anderen Seite wandten sich Gewerkschafter, Pazifisten. Anarchisten und Kommunisten gegen die Teilnahme am Krieg, was zu Konfrontation mit nationalistischen Kreisen führte. Die Kriegsgegner warfen der Regierung vor, mit dem Kriegseintritt nur von inneren Problemen ablenken zu wollen. Nachdem Brasilien Kriegsteilnehmer geworden war öffnete es  seine Häfen für Kriegsschiffe der Alliierten und übernahm die maritime Überwachung des Südatlantiks.

Vom 20. November bis zum 3. Dezember 1917 wurde eine interalliierte Konferenz unter Beteiligung Brasiliens abgehalten, wobei es sich verpflichtete, ärztliches Personal, Gefreite und Offiziere sowie fliegendes Personal nach Europa zu schicken, um die französischen und britischen Streitkräfte zu unterstützen. Des Weiteren wurden acht Schiffe, die gemeinsam mit der britischen Flotte operieren sollten, Anfang August  2018 in Richtung Europa geschickt; sie hatten die Aufgabe, Patrouillenfahrten  in dem Seegebiet zwischen Dakar und Gibraltar durchzuführen. Es gelang dabei, ein deutsches U-Boot zu versenken. Es muss in diesem Zusammenhang erwähnt werden, dass die brasilianischen Schiffe schon ziemlich alt waren und noch mit Kohle betrieben wurden. Außerdem erkrankten 100 Matrosen an der Spanischen Grippe. Mit dem Kriegseintritt nahm Brasilien auch Abschied von der bis dahin herrschenden deutschen Militärdoktrin und übernahm stattdessen die französische. Bis 1914 hatte es auch eine Zusammenarbeit dem deutschen und dem brasilianischen Militär gegeben.

Nachdem am 11. November 2018 der Waffenstillstand unterzeichnet worden war, wurde Brasilien trotz anfänglichen Widerstands Frankreichs und Großbritanniens, die auf dessen  eher bescheidenen und späten Beitrag zu den Kriegsanstrengungen hinwiesen,  zu den verschiedenen Friedenskonferenzen  eingeladen und  bei den  darauf folgenden Verhandlungen über den Vertrag von Versailles bekam es eine gewisse Kriegsentschädigung zugesprochen; Brasilien erhielt hauptsächlich die deutschen  Schiffe , die es während des Krieges beschlagnahmt hatte als Kompensation.

Nun noch ein Blick auf die durch den 1. Weltkrieg  ausgelösten  wirtschaftlichen Veränderungen in Brasilien.  Bis zum Ersten Weltkrieg importierte Brasilien einen erheblichen Teil der Industrieprodukte. Da diese Güter aufgrund der Einwirkungen des Kriegs nicht mehr in dem benötigten Umfang zu Verfügung standen, begann man in größerem Umfangeine eigene industrielle Fertigung aufzubauen;  Rio und São Paulo machten mit der Herstellung von Artikeln des Grundbedarfs große Fortschritte. Zwischen 1915  und 1919 wurden 5940 neue Industriebetriebe gegründet. Desgleichen wurde die Erzeugung elektrischer Energie entscheidend erweitert. Um sich vom Kaffee etwas unabhängiger zu machen, wurde die Diversifikation der Landwirtschaft vorangetrieben. In großem Stil wurden Reis und Bohnen angebaut sowie Mandioka-Mehl und Gefrierfleisch produziert.  Der Anbau von Zuckerrohr, der erheblich zurückgegangen war, wurde wieder intensiviert. Diese ganze Entwicklung führte zu Entstehung einer zahlreicheren und für ihre Rechte kämpfende Arbeiterklasse, was sich das erste Mal deutlich in dem Generalstreik vom Juli 1917 ausdrückte

Quellen (alle im Internet):

Wikipedia  – O Brasil na Primeira Guerra Mundial
Wikipedia – Navios brasileiros atacados na Primeira Guerra Mundial
Wikipedia – Seekrieg im Ersten Weltkrieg

“Conjunturahá 40 anos – O Brasil na Primeira Guerra Mundial“
“ A participação brasileira na Conferência de Paz de Versalhes”
“O Brasil naPrimeira Guerra Mundial”
“Navio brasileiro Paraná é afundado por submarine alemão”
“A Greve Geral de 1917 – História do Brasil – InfoEscola”

 

 

Literaturanregungen zu Portugal

Literaturanregungen  zu Portugal

Diese Literaturangaben beanspruchen keine Vollständigkeit.
Sie sind gedacht als (persönliche) Empfehlungen für alle , die sich lesend dem Thema „Portugal“ nähern möchten.
Nicht mehr lieferbare Titel sind in der Regel problemlos antiquarisch (Buchhandel oder online) zu bestellen.


16. Jahrhundert

Camoes, Luis de (1524 – 1580). – Die Lusiaden.
Nationalepos
(Dt. Teilübersetzungen von Schlegel, Fichte, Platen; neuere Gesamtübertragung von H.-J.Schaeffer im Elfenbein Verlag – ca. 2010)
– Das Epos von der Entdeckung des Seewegs nach Indien durch Vasco da Gama und seine glückliche Heimkehr (Vorbild: Odyssee)  bildet den Rahmen für die Darstellung der Geschichte Portugals.


Realismus/ Naturalismus

Queiroz, Eca de (1846 – 1900)
Der bedeutendste portugiesische Autor des Jahrhunderts
– Das Verbrechen des Padre Amaro (1875)
– Der Vetter Basilio (1878)
–  Die Maias (1888): Hauptwerk
Sitten- und Gesellschaftsdarstellung Portugals im 19. Jahrhundert  im europäischen Kontext


20. Jahrhundert
(alphabetisch).

Antunes, Lobo. – Der Judaskuß.
– die Geschichte eines aus Angola Zurückgekehrten und in Lissabon Gestrandeten
(bedeutendster zeitgenössischer Autor neben dem Nobelpreisträger Saramago)
ders. – Handbuch der Inquisition.
ders.- Die Rückkehr der Karavellen.
Grotesk-geniales Kaleidoskop Lissabons nach dem Sturz des Salazarregimes. Das heroische Zeitalter der Entdeckungen  überlebt nur noch als Parodie –  in den gescheiterten Existenzen der ins Mutterland und in die Hauptstadt zurückgespülten „Retornados“ (Zurückgekehrten) aus den ehemaligen Kolonien.

Enzensberger, Hans Magnus. – „Portugiesische Grübeleien“ in: Ach Europa! 1987

Jorge, Lidia. – Der Tag der Wunder. Freiburg: Beck & Glückler, 1980.
– Kindheit, bäuerliche Lebenswelt und Nelkenrevolution im Algarve
dies. – Milene (Roman) . Ffm. : Suhrkamp
– ausgezeichnet 2006 mit dem Literaturpreis der Günter-Grass-Stiftung Bremen

Namora, Fernando. Der traurige Fluß. München: Bertelsmann, 1982.
– das Leben in Lissabon in der Endphase der Salazar-Diktatur

Oliveira, Carlos de. – Eine Biene im Regen. Freiburg: Beck und Glückler, 1988 (1953).
– naturalistischer Roman aus den nördlichen Provinzen Portugals

Pessoa, Fernando. – Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares. Fischer TB.
– (philosophisch-aphoristisches) Hauptwerk des „modernen“ Autors
ders. – Ein anarchistischer Bankier. Berlin: Wagenbach, 1986.
– rhetorisches Kabinettstückchen und Lesegenuß
ders. – Mein Lissabon. Ein Lese- und BIlderbuch.
Zürich: Ammann Verlag.
Deutsche Version des von Pessoa ursprünglich 1925 auf Englisch herausgebrachten Bändches „What the tourist should see“.
(Die in Portugal erhältliche portugiesisch-englische Ausgabe enthält das Faklsimile eines Lissabon-Stadtplanes von 1929)

Pires, José Cardoso. – Lissaboner Logbuch.
Stimmen, Blicke, Erinnerungen (Nachwort Antonio Tabucchi)
Carl Hanser Verlag, 1997.
Kenntnisreiches Lissabon-Buch des bedeutenden portugiesschen Gegernwartsautors und ehemaligen Direktors der LIssaboner Tageszeitung „Diário de Notícias“

Saramago, José. – Das Memorial.
– historischer/sozialkritischer Roman über den Bau des  Klosters Mafra im 18.Jahrhundert (das als portugiesische „Antwort“ auf den Bau des spanischen Escorial gedacht war)
ders. – Das Todesjahr des Ricardo Reis. Rowohlt
– In den dreißiger Jahren kehrt der Arzt und Dichter Ricardo Reis nach langem Exil in Brasilien nach Lissabon zurück.
ders. – Die Portugiesische Reise. Reinbek: Rowohlt, 2003.
Literarisches und kulturhistorisches „Reisetagebuch“  durch Portugal von den Nordprovinzen zur Algarve – häufig mit Bezug auf das große romantische  Vorbild Almeida Garrett („Viagens na minha terra“)
Ders .– Hoffnung im Alentejo. Rowohlt Taschenbuch 1987
Dieser Roman brachte Saramago den endgültigen Durchbruch als Schriftsteller und stellt m.E. das gelungenste literarische Denkmal zur portugiesischen Nelkenrevolution dar.

Schneider, Reinhold. – Das Erdbeben.
Liebeserklärung an Portugal aus den 50er Jahren

Tabucchi, Antomio. – Lissaboner Requiem
ders. – Erklärt Perreira.
– verfilmt mit Mastroiani: ein Kulturredakteur zwischen Konformismus und Auflehnung in den 30er Jahren (Zeit Salazars, des aufkommenden Nationalsozialismus in Deutschland  und des Spanischen Bürgerkriegs)

Torga, Miguel.- Weinlese. Freiburg: Beck & Glückler, 1997 (1945).
– Ein Stück Zeitgeschichte aus dem ländlichen Norden Portugals

Sachbücher:
Bernecker, Walter und Pietschmann, Horst
Geschichte Portugals (Becks Wissen).

Günther, Horst. – Das Erdbeben von Lissabon.
(erschüttert die Meinungen und setzt das Denken in Bewegung)
–  Darstellung  der Auseinandersetzung zwischen traditionel-theologischer bzw. rationalistisch- fortschrittsgläubiger Weltdeutung

Lorenco, Eduardo. – Mythologie der Saudade, Suhrkamp TB
Standarwerk zum Lebensgefühl der Portugiesen

 Radasewsky, Werner. – 16 mal Portugal.
(Serie Piper: Panoramen der Welt). SP 5142/ – Portugal nach Provinzen

Schemann, Hans. – Portugal und die Portugiesen.
Darmstadt: Wissenschaftl. Buchgesellschaft. 1993.
Darstellung der portugiesischen Mentalität anhand historischer und sozialer Entstehungsbedingungen.

Scholl, Sabine. – Lissaboner Impressionen. Literarische Streifzüge.
Kentnnisreiche und aktuelle Darstellung Lissabons durch literarische Spurensuche. Zugang zum Thema über eine Art Stichwortsammlung –  von Melancholie über Dandys,  Sanfte Seefahrer, Heilige, Estado novo, Estoril  u.v.m.

Aus der lusophonen Literaturszene

Gegenwärtig haben etwa 260 Millionen Menschen Portugiesisch als Muttersprache. Wie die Zeitung „Público“ unter dem 15.11.2016 berichtet wird diese Zahl basierend auf der neuesten Ausgabe des von dem Lissabonner Universitätsinsitut ISCTE in Zusammenarbeit mit dem Instituto Camões herausgegebenen Sparachatlanten „O Novo Atlas da Língua Portuguesa „ bis 2050 auf ca. 387 Millionen steigen.. Ein beträchtlicher Teil des Zuwachses ist der stark steigenden Bevölkerungszahl in Angola und Mosambik zu verdanken.

Das wichtigste Internationale Literaturfestival (FLIP – Festa Literária Internacional de Paraty) in Brasilien findet seit 2003 alljährlich in der historischen, im Bundesstaat Rio de Janeiro gelegenen Küstenstadt Paraty statt. Träger ist die gemeinnützige Organisation „Associacão Casa Azul“, die von zahlreichen Förderern unterstützt wird. Die Idee zu solch einer Veranstaltung kam von der britischen Verlegerin Liz Calder, die eine Zeitlang in Brasilien gelebt hatte, und ist von einem gleichartigen Festival im walisischen Hay-on-Wye inspiriert. Im Rahmen dieses Ereignisses wird auch immer eines bereits verstorbener brasilianischen Autors gedacht . Der erste war 2003 der besonders durch sein lyrisches Werk hervorgetretene Vinícius de Moraes und 2016 fiel die Wahl auf die früh verstorbene Ana Cristina Cruz Cesar (1952-1983), die für ihr Wirken auf dem Gebiet der Poesie und der Dichtung geehrt wurde. Im Rahmen dieser Veranstaltung werden Vorträge gehalten, finden Diskussionen statt und werden literarische Workshops organisiert.

Ein ebenfalls bedeutendes internationales, der Literatur gewidmetes Ereignis unter dem Titel „Folio“ findet seit 2015 in der malerischen portugiesischen Stadt Òbidos statt und hat in der kurzen Zeit seines Bestehens schon b reite Resonanz gefunden.

Am 31. Oktober 2016 wurde im „Museu Nacional Soaes dos Reis“ eine Ausstellung mit einer Vielzahl der Werke von Amadeo Souza Cardoso , eines entscheidenden Wegbereiters der Moderne in der portugiesischen Malerei, eröffnet; im Laufe des 1-Quartals 2017 wird diese auch im „Museu Nacional de Arte Contemporånea – Museu do Chiado“ gezeigt; dies auch in Erinnerung an eine gleichartige Ausstellung vor 100 Jahren in beiden Städten. Erwähnt sei noch, dass 2008 im Hamburger Ernst-B arlach-Haus ein Teil seiner Gemälde vom Publikum besichtigt werden konnte. Eines seiner bekanntesten Werke trägt den Titel „Entrda“.

Die Azoren haben mit Domingos Maria Xavier Rebelo(1891-1975), der in seinem Werk die Facetten seiner Heimatregion widerspiegelt, einen bekannten Repräsentanten der Malerei Sein bekanntestes Bild trägt den Titel „Os Emigrantes-Die Auswanderer“. Die finanzielle Förderung durch den Grafen Allbuquerque ermöglichte ihm einen Aufenthalt in Paris von 1907-1913, wo er sich durch dien Besusch zweier Akademien und Kontakte zu zahlreichen führenden Malern der Zeit künstlerisch vervollkommnen konnte. Um ihn zu würdigen , fand im Sommer 2016 eine Ausstellung einer großen Anzahl seiner Bilder in Ponta Delgada statt.

Die an Lissabonner Museumslandschaft hat mit dem im Sommer 2016 eröffneten „Museu de Arte, Arquitetuae ,Tecnologia“ (MAAT) eine weitere Bereichung erfahren. Diese im Ortsteil Belém sich befindende Institution wird von Pedro Gadanho , der vorher 3 Jahre lang Kurator der Abteilung Architektur im New Yorker Museum of Modern Art war, geleitet und und ist im Beitz der Stiftung des Energieunternehmens EDP.

Vor 200 Jahren:

1817 kam es in Brasilien zur „Revolução Pernambucana“, einer gegen die portugieische Kolonialherrschaft gerichteten, 74 Tage dauernden bewaffneten Erhebung.