Olivenernte

von Maria Gravert

Der November ist die Hochsaison für die Olivenernte. Es ist also Zeit, sich nach Santa Catarina da Fonte do Bispo aufzumachen und der dortigen Ölmühle einen Besuch abzustatten.

Santa Catarina ist eine kleine Gemeinde mit rund 1.800 Einwohnern, einige Kilometer oberhalb von Tavira im Hügelland gelegen. Rund um den Ort findet sich eine weite Kulturlandschaft mit vielen Bäumen, hauptsächlich Johannesbrotbäume (alfarrobeira), Feigenbäume (figueirinha), Olivenbäume (oliveira) und Obstgärten mit Orangen, Zitronen und Granatäpfeln (laranjeira, limoeiro , romãzeira). Heute aber gilt das Hauptinteresse der Olive.

Olivenbäume (Fotos: Maria Gravert)

Olivenbäume waren schon mehrere Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung als Nutzpflanze bekannt. Im gesamten Mittelmeerraum werden sie – so nimmt man an – seit mehr als 6000 Jahren kultiviert und haben Eingang in Mythen und Überlieferungen gefunden. Im antiken Griechenland galt die Olive als heiliger Baum. In der Bibel wird er immer wieder erwähnt in seiner Bedeutung für Wirtschaft, Wohlstand und Überfluss. Für die Juden im gelobten Land war die Ölfrucht neben Rebstock und Feigenbaum ein Symbol für Glück, sowohl in materieller als auch aus emotionaler Sicht. Aus dem Christentum kennen wir die Taube mit dem Ölzweig im Schnabel. Die Dichter der Antike (Homer) erwähnten ihn ebenso wie auch der Koran.

Dieser Olivenbaum ist wahrscheinlich 1000 Jahre alt (Quinta da Cortiça bei Alvaiázere) und wird gerade wieder ‚aufgepäppelt‘ (Foto A. Weerts)

Vor der Ölmühle herrscht heute Hochbetrieb. Männer liefern mit kleinen Lastwagen die Früchte an. Die Oliven müssen spätestens 2 Tage nach der Ernte in der Mühle angeliefert werden, je länger die Lagerung umso größer ist der Qualitätsverlust. Um einen Liter Öl zu erhalten rechnet man mit dem Einsatz von ca. 5 – 6 kg Oliven. Der Ertrag eines Baumes ist abhängig vom Jahr und der Größe des Baumes , wobei die Erträge von Jahr zu Jahr stark schwanken können. Im Durchschnitt der Jahre rechnet man mit einem Ertrag von 20 bis 40 kg pro Olivenbaum.

Ein Oliveira hängt voll mit Azeitonas (Foto: Maria Gravert)

Hier in Santa Catarina erhält jeder das Öl seiner eigenen Oliven. Das Öl dient zum Selbstverbrauch, hier gibt es keine großen Olivenhaine wie etwa im Alentejo. Es handelt sich hier ausschließlich um Kleinbauern, die die Oliven anliefern. „Eigentlich lohnt sich das alles nicht mehr, aber wir machen es aus Freude“ sagt mir einer der Männer.

(Foto: Maria Gravert)