Die Geschichte der brasilianischen Literatur

von Gerhard Burghold

Teil 1 . Die Kolonialzeit

Die brasilianische Literatur muss man in  großen Zügen in  zwei Epochen unterteilen: in die koloniale und die nationale Epoche (seit der Unabhängigkeit)

Das erste literarische Dokument, welches aus Brasilien kam, war der Bericht an König Manuel I. , verfasst von Pero  Vaz de Caminha, des Schreibers des Flottenkommandanten Pedro Álvares Cabral, des Entdeckers Brasiliens im April 1500. Vaz de Caminha schildert darin die Indianer sowie  verschiedene Aspekte  der brasilianischen Natur. Schriften von anderen Besuchern Brasiliens, die hauptsächlich in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts in ähnlicher Weise Land und Leute beschreiben, kann man als Reiseliteratur bezeichnen; sie ist rein deskriptiv und ohne größeren literarischen Wert im eigentlichen Sinne.Andererseits nahm in diesem Zeitabschnitt auch die literarische Betätigung der nach Brasilien gekommenen Jesuiten Gestalt an. Außer religiösen Gedichten schrieben sie in pädagogischer Absichtdie auf Bibeltexten basierende Theaterstücke. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang der Pater José Anchieta (1534-1597), der ein reichhaltiges Werk, bestehend aus Gedichten und verschiedenen religiösen Schauspielen im Stile von Gil Vicente,  hinterließ. Des Weiteren verfasste er eine Grammatik der Sprache der Volksgruppe derTupi-Guarani.

Im Jahr 1601 veröffentlichte Bento Teixeira (1561?-1618?) sein episches Gedicht „Prosopopeia“ , welches als erstes Zeugnis des Barock in Brasilien betrachtet wird. In ihm werden Episoden aus dem Leben einer mächtigen Familie im Nordosten Brasiliens geschildert. Einer der wichtigsten Vertreter der Literatur des 17. Jahrhunderts in Brasilien ist Gregório de Matos (1633-1696). Er  war Lyriker, aber schrieb auch satirischer Werke, die ihm den Beinamen „Höllenschlund“ und die Verbannung nach Mosambik einbrachten.

Der Jesuit Padre António Vieira (1633-1697) war ein berühmter Prediger und u.a. Beichtvater von Cristina von Schweden. Seine Werk besteht aus 3 Teilen: Prophezeiungen(3), Briefe(500) und Predigten (200). Da er die getauften Juden verteidigte, wurde er von der Inquisition  zwei Jahre  ins Gefängnis geworfen. Er verfeindete sich aber auch mit den Großgrundbesitzern, da er sich für die Indianer einsetzte.

1768 begann die Ära des „Arcadismo“. Zu dieser Zeit wurde die kurzlebige literarische Gesellschaft „ArcádiaUltramarina“ gegründet und auch die „Obras “  von Cláudio Manuel da Costa (1728-1789). publiziert. Er verfasste neben weiteren Dichtungen auch ein Theaterstück und rief  eine  literarische Akademie ins Leben. 1789 nahm er  an einer unter dem Namen „InconfidênciaMineira“ in die Geschichte eingegangenen Verschwörung gegen die portugiesische Kolonialmacht teil und starb im Gefängnis. Befreundet war er mit Tomás Antônio Gonzaga, dessen Liebeslyrik zu dem Besten zählt, was in portugiesischer Sprach auf diesem Gebiet geschrieben wurde. Erwähnenswert sind auch seine „CartasChilenas (Chilenische Briefe)“, die sich in Versform satirischmit dem Gouverneur von Minas Gerais auseinandersetzen. Er nahm ebenfalls an der „Inconfidência Mineira“ teil, wurde in die Verbannung nach Mosambik geschickt, wo er auch starb.Einige Charakteristika des „Arcadismo“ sind die Einfachheit des Stils  und Lob des einfachen Lebens, Hinwendung zu den Mustern der Antike und der Renaissance, Kritik am Leben in den urbanen Zentren und Verwendung von Pseudonymen.

Quellen:
Domingos Paschoal Cegalla. Novíssima Antologia da Língua Portuguesa (zweite Ausgabe)
Internet: História da Literatura Brasileira – Cola da Web

Wikipedia – História da Literatura Brasileira