Kulturnachrichten aus dem portugiesischsprachigen Raum – Noticias culturais do mundo lusófono

Portugal vor 100 Jahren: Nach dem Eintritt Portugals an der Seite der Westalliierten in den  1. Weltkrieg  verschärften sich die Gegensätze zwischen den politischen Parteien und der Krieg mit seinen Entbehrungen führte auch zu sozialen Unruhen. Am 5. Dezember 1917 kam es unter der Führung von Sidónio Pais mit Unterstützung eines Teils der Bevölkerung zu einer Militärrevolte. Sidónio Pais war Militär gewesen, hatte verschiedene Ministerposten bekleidet und als Botschafter in  Berlin fungiert. Nach dem Putsch errichtete Pais mit Unterstützung des PartidoRepublicano eine Militärdiktatur, wobei er verschiedene Artikel  der Verfassung änderte; u.a. sollte der Präsident der Republik direkt vom Volk gewählt werden, was dann auch im April 1918 geschah. Im Laufe seiner äußerst autokratischen Präsidentschaft schaffte er die in der Verfassung von 1911 vorgesehene Trennung von Kirche und Staat ab. Sein Regime gab sich den Namen “ Neue Republik“(República Nova). Im Dezember 1918 wurde Sidónio Pais ermordet.

 

Ein Besuch des Museu Nacional de Arte Antiga (Museum für Alte Kunst)  in Lissabon mit seinen zahlreichen Werken portugiesischer und internationaler Kunst ist immer lohnenswert; z.Zt. bietet es darüber hinaus noch bis zum 18. März 2018 eine informative Sonderausstellung über Madeira im 15. und 16.Jahrhundert, als der Zuckerrohranbau bestimmend in der Wirtschaft war und seine Erträge zu einer kulturellen Entfaltung führte.

Wie die portugiesische Zeitung „Público“ meldet, wird ihre beliebte und reichhaltige  Kulturbeilage „CulturaÍpsilon“  im Rahmen einer  Kooperationsvereinbarung von der Buchhandelskette „LivrariaCultura“ mit Sitz in Sao Paulo in deren 19 Filialen in 10 Bundesstaaten gratis vertrieben. Dies ist zweifellos ein Erfolg für „Publico“ und ein positives Zeichen für die Zusammenarbeit im lusophonen Sprachbereich. Die nachstehenden Informationen sind  ebenfalls dieser  Publikation entnommen.

  • Erfreulicherweise ist es dem portugiesischen Staat gelungen, ein von einem nicht genannten Sammler bei Sotheby’s eingeliefertes kleinformatiges Bild mit einer Verkündigungsszene von Álvaro Pires de Êvora für 350 000 Euros zu ersteigern. Das Bild wird seinen künftigen Platz im Museu de Arte Antiga in Lissabon finden. Das Gemälde wird auf ca. 1434 datiert und es ist das erste, welches einem portugiesischen Maler zugeschrieben werden kann. Álvaro Pires de Èvora wanderte in die Toskana aus, wo er eine Reihe von Werken der Malerei hinterließ. Vasari erwähnt ihn als Alvaro Piero di Portogallo. Übrigens soll der frühere Bundeskanzler Konrad Adenauer eine Zeitlang im Besitz des jetzt von der portugiesischen Regierung erworbenen Gemäldes gewesen sein Das einzige weitere in Portugal vorhandene Werk dieses Künstlers befindet sich im Museum von Èvora.
  • Portugal wird auf der diesjährigen Berlinale shorts (15.-25.2. 18) mit 3 Kurzfilmen vertreten sein 2012 hatte João Salaviza mit „Rafa“ 2012 den Goldenen Bären für Kurzfilme gewonnen.Dieses Jahr wird er mit dem Streifen „Russo“, den er gemeinsam mit dem Brasilianer Ricardo Alves jr. produziert hat, präsent sein;  des Weiteren werden  João Viana und David Pinheiro mit ihren Filmen vor Ort sein.
  • Die Archive des weltweit tätigen Architekten Álvaro Siza werden  bald, voraussichtlich noch im Februar, im Internet zur Verfügung stehen.  ÁlvaroSiza hatte 1992 für seine qualitativ hochwertige Architektur 1992 den Pritzker- Preis –  eine Art Nobelpreis  für Architektur – erhalten.
  • Alljährlich wird am 1.Mai der Tag der brasilianischen Literatur mit Würdigung bedeutender Autoren verschiedener Epochen gefeiert. Man hat diesen Tag  gewählt, weil einer der bedeutendsten Schriftsteller Brasiliens des 19. Jahrhunderts, José de Alancar, am 1. Mai 1829 geboren wurde. Bereits am 18. April wird im Rahmen eines Tages der Kinderliteratur dieses Genre gewürdigt.